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Secret
Objekt "Olga" in the Jonastal near Ohrdruff
the location of the "Führerhauptquartier" or only an
abandoned construction site?
While looking through our picture archives, we found some pictures taken
in Jonastal in 1992 which we like to publish here. Allmost all tunnels had
been open at this time. After the searching for 2 hidden trucks in tunnel
16 on October 21, 1992, the governement decided to close the entrances. Of
course, they will never remain closed for a long time, because too many
people are interested in visiting and exploring them, often even using
better tools. Here only some of the many pictures of our exploration.
The pictures stand
for themselves. The insider knows, where they have been taken!
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Tunnel Entrance
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Tunnel Entrance
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Tunnel
Entrance
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reopened tunnel
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Extreme debris in
parts of the tunnels which have been excavated in a strange way
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One of the Main Tunnels
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Tunnels with much damage
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"S lll" and "Olga", underground armament production, V2 - rockets
from
Nordhausen, "Jäger-Program", "Geilenberg-Program", "Emergency-Program",
the constructions of Dr.
Kammler, "Führerhauptquartier", "Sonderelbe" Jasmin, top secret: the
central commands of Ohrdruf and Arnstadt, preparations, eyewitnesses
remember.
Only a very limited number of documents about S III or "Olga" do
exist. "S III" was the code namen for the construction site, "Olga" was
the code name for the "Führerhauptquartier" and
also for Ohrdruf. A big part of the documents had been destroyed during
the last days of the "third reich" in Ohrdruf, Crawinkel and Berlin.
It is strange that "S III" and "Olga" remained unknown even
after the war. Maybe because the Sovjet Army took possesion of the
property in 1945 and used it to exercise. Even at the scientific institute
of the German military, "S III" was not known until autumn 1991, even if
the preface of the history of the property is already exciting.
The construction department Kammler
After the defeat in Stalingrad 1942/43 Germany had lost its strategic initiative
in World War II. When "Reichspropagandachef" Joseph Goebbels held his
famous speach to the people on February 18, 1943 he said that winning this
"holy" war would be only a question of will and trust and when he called
to the people: "Do you want the total war?", the crowds were
screaming "yes". Goebbels also talked about secret weapons which could
bring a fast decision, but the Führer wanted to use them when the time
comes.
These wonder weapons
really existed already or had been under development but Goebbels
was not the right person to determine their military use. Amongst them was
the first fighter jet
(Düsenjäger) Me
262 and the rocket A 4 and even the atomic bomb was beginning to develope. The
work on the rocket, also known as "V2" started in 1932 and went into mass
production in the beginning of
1943. Am 10. Januar 1943 wies der
Reichsminister für
Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, an, das A 4-Programm zur
"totalgeschützten Fertigung" zu erklären. Das bedeutete, dass aus den mehreren
hundert
Zulieferbetrieben für die Herstellung der A4, vornehmlich aus der
metallverarbeitenden
und Elektroindustrie, kein Beschäftigter zur kämpfenden Truppe eingezogen werden
durfte. Im Militärjargon nannte man dies "UK"-(unabkömmlich) -Stellung. Als
Leitbetrieb für die Endmontage der vorwiegend Flächenzerstörend wirkenden Rakete
war das Versuchsserienwerk Karlshagen bei Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom
bestimmt worden. Darüber hinaus sollte die A4 auch in Wiener-Neustadt, (etwa
fünfzig
Kilometer südlich von Wien), Friedrichshafen am Bodensee und in Riga gefertigt
werden. Die Koordinierung der Zulieferungen mit der Endmontage wurde einem
"Sonderausschuss A4" im Speer-Ministerium übertragen.
Noch war die Serienfertigung nicht angelaufen, als in der Nacht vom 17. zum 18.
August
1943 Peenemünde und Karlshagen von 433 Bombern der britischen Luftwaffe zerstört
wurden. Schon zwei Tage später, am 20. August 1943, notierte Speer:
"Der Führer ordnet auf Grund eines Vorschlages an, dass alle Massnahmen ergriffen
werden, um gemeinsam mit dem Reichsführer SS unter starker Einschaltung seiner
Kräfte aus den Konzentrationslagern den Bau entsprechender Fertigungsanlagen und
die
Fertigung erneut voranzutreiben.
Der Führer entscheidet dabei, dass die bisherigen Anlagen lediglich so lange mit
Nachdruck errichtet werden und darin gefertigt wird, bis eine endgültige
Fertigung an
gesicherten Orten und in gesicherter Form unter möglichst starker Heranziehung
von
Höhlen und sonst geeigneten Bunkerstellungen gewährleistet ist". Die geeignete
unterirdische Anlage wurde im Kohnsteinmassiv bei Nordhausen gefunden. Bereits
am
28. August 1943 traf hier der erste Transport von KZ-Häftlingen, vor allem
Baufachleute, aus Buchenwald ein. Zum "Sonderbeauftragten für Baufragen der A4-
Fertigung" wurde am 1. September 1943 der Chef der für Baufragen zuständigen
Amtsgruppe C im Wirtschaftsverwaltungshauptamt der SS (WVHA), SS-Brigadeführer
Dr. Ing. Hans Kammler, ernannt. Die Verantwortung für das Gesamtobjekt, das die
Bezeichnung "Mittelwerk GmbH" erhielt, oblag jedoch Albert Speers Ministerium
für
Rüstung und Kriegsproduktion und wurde von diesem sowie vom Heereswaffenamt
finanziert. Die SS war, unter Kammlers Leitung, lediglich für die Bauarbeiten
sowie für
die Beschaffung von Arbeitskräften, vorwiegend aus Konzentrationslagern,
zuständig. In
Kammlers Verantwortungsbereich fiel auch der Bau des KZ "Dora" bei Nordhausen.
Dort sowie bei der Errichtung des unterirdischen Endmontagebetriebs "Mittelwerk"
im
Kohnsteinmassiv, der im Eiltempo innerhalb von knapp 15 Monaten fertiggestellt
war,
und bei den Montagearbeiten in den Stollen kamen bis Ende März 1945 etwa 10 000
Häftlinge ums Leben, vornehmlich durch Entkräftung infolge Unterernährung. Für
die
"Ausleihe" der Häftlinge gegen eine bestimmte Pachtgebühr an Fabriken des
Rüstungsprogramms war die Abteilung W im Wirtschaftsverwaltungshauptamt
zuständig, deren Chef (bis Juni 1943), Dr. Hans-Karl Hohberg, in Nürnberg später
für
sich beanspruchen konnte, weder der SS noch der NSDAP angehört zu haben. Ein
ganz
normaler Beamter also, ein gläubiger Christ und - ein Buchhalter des Todes.
Bei dem Bauauftrag "Dora" sollte es jedoch für den tüchtigen Brigadeführer Hans
Kammler (dieser Rang galt nur für die Allgemeine SS - die Herren in den
schwarzen
Uniformen -, in der feldgrau gekleideten Waffen-SS hatte Kammler den Rang eines
Generalmajors) , der bald zum Gruppenführer (Generalleutnant) und 1945 gar zum
Obergruppenführer (General einer Waffengattung oder eines Armeekorps)
avancierte,
nicht bleiben. Ganz abgesehen davon, dass dem damals dreiundvierzigjährigen
Ingenieur,
der bis 1941 im Luftwaffenverwaltungsamt tätig war, auch der Einsatz der A
4-Raketen
übertragen wurde. ln zunehmendem Masse wurden seit 1944 rüstungswichtige Betriebe
und reichswichtige Anlagen in unterirdische Anlagen verlegt. Das betraf
besonders das
sogenannte Jägerprogramm (Fertigung neuartiger Typen von Jagdflugzeugen, wie der
Me 262) und das Geilenberg-Programm (benannt nach dem "Generalkommissar für die
Sofortmassnahmen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion", Edmund
Geilenberg) , nach dem als "Sofortmassnahme" vor allem Kraftstoffhydrierwerke in
bombensicheren Anlagen errichtet werden sollten. Das letztgenannte Programm war
vor
allem deshalb so wichtig für das Überleben und den noch immer in Aussicht
gestellten
"Endsieg", weil im August 1944 die rumänischen Ölquellen in russische Hand
gefallen
waren. Statt 156 000 Tonnen Flugzeugbenzin im Mai 1944 konnten im September
desselben Jahres nur noch 10 000 Tonnen erzeugt werden. Was nützten die
modernsten
Flugzeuge, wenn sie nicht fliegen konnten? Und Reichsmarschall Hermann Göring
hatte
sich einiges vorgenommen, um den demolierten Ruf seiner Luftwaffe wieder
aufzupolieren. Sein Jägerprogramm rangierte gleichwertig mit dem Geilenberg-
Sonderprogramm und dem A 4 Programm. In einer mit dem 4. März 1944 datierten
Weisung Görings heisst es "Soweit es sich um die Schaffung bombensicherer
Fertigungsstätten in grösseren Höhlen oder neuen Stollen handelt, zieht der
Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion den Reichsführer SS für die
Durchführung der erforderlichen Baumassnahmen zu. Die Bauaufgabe (Umfang und Ort)
bestimmt der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion als
Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft auf Vorschlag des
R.d.L.
(Reichsministerium der Luftfahrt - d.V.) und Ob.d.L. (Oberbefehlshaber der
Luftwaffe -
d.V.). Der Reichsführer SS überträgt die Durchführung der erforderlichen
Baumassnahmen dem Chef des SS Wirtschaftsverwaltungshauptamtes - SS-
Obergruppenführer und General der Waffen-SS Pohl - und bestellt als
verantwortlichen
Leiter den SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS, Dr. Ing. Kammler...
Der Reichsführer SS stellt Schutzhäftlinge in ausreichendem Masse als Hilfskräfte
für Bau
und Fertigung. Unter Kammlers Leitung entstand danach ausser der Höhlenfabrik bei
Nordhausen für die A4-Fertigung ein ganzes Netz unterirdischer
Produktionsanlagen. So
gab es allein acht Vorhaben für den Bau unterirdischer Flugzeugmontagewerke.
Eines
davon, in einer riesigen Stollenanlage bei Kahla in Thüringen, sollte monatlich
bis zu 1
500 Düsenjäger Me 262 produzieren.
Kammler avancierte auf diese Weise zu einem der einflussreichsten Männer in der
SS-
Hierarchie, gleichrangig mit seinem einstigen Chef, Oswald Pohl, und konnte sich
einen
Apparat aufbauen, der vom Wirtschaftsverwaltungshauptamt so gut wie unabhängig
wirkte. An der Spitze des unheilvollen Unternehmens stand das "Baubüro Dr. Ing.
Kammler" in Berlin-Grunewald, Taunusstrasse 8. Diesem Stabsquartier unterstanden
mehrere SS-Sonderinspektionen, und denen wiederum die SS-Führungsstäbe A, B und
S.
Dabei stand A für Massnahmen zur Verlagerung der Rüstungsendfertigung, B für
Massnahmen zur Verlagerung der Zuliefer industrie, S für Sondermassnahmen.
Kammler galt schliesslich als der alles entscheidende Experte auf dem Gebiet der
bombensicheren Verlagerung. Er verfügte sogar über einen eigenen Apparat des
Sicherheitsdienstes (SD). Der jeweilige Führungsstab, der immer von einem
Architekten
im SS-Offiziersrang geleitet wurde, bestand in der Regel aus etwa zwanzig
Angehörigen.
Er war für die Ausführung der örtlichen Bauarbeiten sowie für die Heranziehung
von
Häftlingen und dienstverpflichteten Zivilisten auf Anforderung der für das
betreffende
Vorhaben eingesetzten Privatfirmen zuständig.
Führerhauptquartiere
Dem Beispiel der früh- und hochmittelalterlichen Herrscher folgend, die ihre
Pfalzen über
das ganze Reich verteilt hatten, liess auch Hitler im "Grossdeutschen" Reich"
zahlreiche
Führerhauptquartiere errichten. Der "oberste Feldherr, als den er sich selbst
sah, wollte
überall gegenwärtig sein, obgleich er die wenigsten der für ihn errichteten,
gegen jeden
Feindangriff von aussen gesicherten Quartiere je zu Gesicht bekommen hat. Es
waren
mächtige Betonfestungen mit ausgedehnten unterirdischen Anlagen. Dazu gehörten
unter
anderen die "Wolfsschanze" bei Rastenburg in Ostpreussen, "Riese" bei Bad
Charlottenbrunn sowie "Rüdiger" bei Waldenburg (beide Schlesien), "Fürstenstein"
bei
Ksiaz (nordöstlich von Krakau) im sogenannten Generalgouvernement, "Brunhilde"
bei
Diedenhofen (Lothrin- gen), "Siegfried" bei Pullach (Bayern) und "Amt 600" im
Raum
Giessen/Bad Nauheim. In der Niederschrift über eine "Besprechung beim Führer am
20.6.1944" heisst es, "dass z. Zt. rund 28 000 Arbeiter beim Ausbau der
"Führerhauptquartiere eingesetzt seien, trotzdem aber infolge der hierbei
feststellbaren
Zersplitterung die Gefahr bestünde, dass in absehbarer Zeit an keiner Stelle in
genügendem Umfang und in genügender Stärke Unterkunftsmöglichkeit vorhanden
sei".
Um diese Zeit war der Sieg Deutschlands auch für die kühnsten Optimisten in
unerreichbare Ferne gerückt. Im September 1943 hatte Italien kapituliert, am 6.
Juni
1944 eröffneten die Westallierten mit der Landung in der Normandie die zweite
Front.
Am 20. Juli setzten die Sowjets über den westlichen Bug und begannen die
deutschen
Truppen aus Polen zu vertreiben. Am selben Tag unternahm eine Gruppe
verantwortungsbewusster Offiziere mit dem Attentat auf Hitler den verzweifelten
Versuch, Deutschland vor dem totalen Fiasko zu retten. Am 25. Juli ernennt
Hitler
Propagandachef Goebbels zum "Reichsbevollmächtigten für den totalen
Kriegseinsatz".
Drei Wochen darauf, am 10. August, kommt es zu einer Geheimkonferenz von
führenden
Militärs und Vertretern der deutschen Grossindustrie im "Maison rouge" von
Strassburg.
Auf dieser Konferenz, von der kein Protokoll angefertigt wurde, ging es um das
Überleben der nationalsozialistischen Bewegung und der deutschen Industrie sowie
um
das taktische Verhalten im Angesicht der nicht mehr abwendbaren Niederlage.
Zusammengefasst wurde es in dem Code "ALRZ". Er bedeutete: Auflockern
(Dekonzentration und Verlegung von Industriebetrieben, Forschungszentren und
Führungsstäben), Lähmen (Unbrauchbarmachung von Industrie- und Verkehrsanlagen
durch Demontage wichtiger Elemente), Räumen und Zerstören. Von solcherlei Plänen
erfuhr die Bevölkerung freilich nichts. Inbrünstiger denn je predigte Goebbels
den
Glauben an den Endsieg. Am 24. August verkündete er die "totale Mobilmachung",
in
deren Gefolge dann alle irgendwie Kriegsverwendungsfähigen Männer zwischen 15
und
60 Jahren zum "Volkssturm" einberufen wurden. An diesem 24. August 1944 fand
auch
eine Unterredung zwischen dem Chef des Wehrmachtführungsstabes, Generaloberst
Alfred Jodl, und dem Wehrmachtadjutanten beim Führer, Oberst Gustav Streve,
statt. In
der Niederschrift zu "Planungen und Neubauten FHQu" heisst es u.a.:
"1 .) FHQu-Unterkunft IG-Schlesien.
Alle oberirdischen Bauten werden zurückgestellt. Dagegen sollen mit eingesparten
Arbeitskräften die unterirdischen Bauten forciert und so erweitert werden, dass
die
unterzubringenden Stäbe voll arbeitsfähig sind und gleichzeitig wohnungsmässig
untergebracht sind.
Die hierdurch frei werdenden Arbeitskräfte sollen in Berchtesgaden und Zeppelin
bei den
neuen Bunkerbauten Verwendung fnden.
2 .) Berchtesgaden
Gemäss den Weisungen des Führers soll im Gelände der Strub-Kaserne ein
dreistöckiger
Luftschutzbunker mit 7 m Betonschutz errichtet werden. Er soll enthalten:
a) die Nachrichtenvermittlung,
b) Arbeitsraume WESt. (Wehrmachtführungsstab - d.V),
c) Arbeitsräume Teile OKH (Oberkommando des Heeres - d.V),
d) Luftschutz-Sammelraum.
Der Bau dieses Bunkers kann nach den gemachten Erfahrungen nur dann zeitgerecht
durchgeführt werden, wenn durch Führerbefehl an Reichsminister Speer verfügt
wird,
dass Bauleitung und Arbeitskräfte aus den in IG-Schlesien (Industriegemeinschaft
Schlesien - d.V) eingesparten und abzuzweigenden Teilen der OT Bauleitung
(Organisation Todt - d.V.) und Arbeitskräften gesondert hierfür eingesetzt
werden ...
3.) OKH-Unterkunft Zeppelin.
Ein Luftschutzbunker gleicher Art und gleicher Grösse wie unter 2.) geplant, soll
ferner
in Zeppelin für das OKH errichtet werden. Auch hierfür müssten die Arbeitskräfte
aus
den in IG-Schlesien frei werdenden Kräften der OT- Bauleitung herangezogen
werden,
ebenfalls unter einer besonderen OT-Bauleitung ...
4.) Neue FHQu-Unterkunft im Raume Mitteldeutschland Thüringen und Harz. Es ist
ein Führerentscheid herbeizuführen, ob in diesem Raum eine neue FHQu-Unterkunft
zu
errichten ist".
Die sogenannte Alpenfestung, deren Hauptobjekt dass Führerhauptquartier auf dem
Obersalzberg bei Berchtesgaden bildete, erhielt den Decknamen "Serail". Mit
"Zeppelin"
ist das OKH-Quartier bei Zossen im südlichen Randgebiet von Berlin und mit FHQu-
Unterkunft IG-Schlesien das Objekt "Riese" in Niederschlesien gemeint. In diesem
Dokument taucht zum erstenmal Thüringen als möglicher Standort eines neuen
Führerhauptquartiers auf. Bei Friedrichroda gab es ein solches Quartier bereits
mit dem
Code "Wolfsturm". Ungeklärt ist, ob es sich dabei nur um das Kurhaus oder auch
um das
Schloss Reinhardsbrunn handelte. Indes kamen beide Objekte wegen unzureichender
Sicherung gegen Luftangriffe als Führerhauptquartier nicht mehr in Frage. Den
Zuschlag
erhielt schliesslich das Jonastal. Das Projekt wurde im Berliner "Baubüro Dr.
Kammler"
in die Akten von "Sonderelbe Jasmin" als "Sondermassnahme III", kurz S III,
aufgenommen. "Sonderelbe" stand für Sonderbauten, während Pflanzennamen für
Festungsanlagen verwendet wurden ("Jasmin").
Die Nachrichtenzentrale bei Ohrdruf
Die Standortwahl für S III beziehungsweise das Führerhauptquartier "Olga" war
nicht
nur der günstigen natürlichen Gegebenheiten und des strategischen Kalküls wegen
(auf
das wir noch zurückkommen) auf den Raum Ohrdruf/Arnstadt gefallen. Schon bevor
Deutschland seine Eroberungspläne in die Tat umzusetzen begann, hatte die
Reichsführung alle Wechselfälle eines Krieges sorgfältig kalkuliert. So fertigte
die
Heeresleitung Wehrmacht (das spätere Oberkommando des Heeres) in Zusammenarbeit
mit der in Berlin ansässigen Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (Wifo)
schon seit
1935 Studien über die militärstrategische und kriegswirtschaftliche Bedeutung
des
Raumes an. ln derem Gefolge begann 1937 der Bau einer unterirdischen
Nachrichtenzentrale auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf. Sie lag drei Stockwerke
unter der Erde. Ihre Eingänge waren durch Wochenendhäuser getarnt, aus deren
Schornsteinen etwas Rauch aufstieg, wenn der 475 PS starke Schiffsdiesel, der
das "Amt
10" vom Energienetz unabhängig machte, in Betrieb war. In den Kellern des
Arnstädter
Schlosses zog das "Amt 8" ein. Herr Karl Schneider aus Arnstadt erinnert sich:
"Die
ganzen Bauarbeiten sind streng geheim gewesen. Zuerst sollte in den Jahren
1937/38 die
Nachrichtenzentrale unterhalb des Eichfeldes gebaut werden. Als dann die Sache
mit der
Tschechoslowakei so schnell ging, wurde das Objekt stillgelegt und 1940 die
Fernsprechzentrale im Arnstädter Schloss installiert. Von hier aus gingen zwei
Kabel
weg. Eines über Eisleben in Richtung Erfurt und das andere direkt ins Jonastal
und nach
Ohrdruf. Fernschreiber waren gleichfalls im Schloss installiert worden. Das
merkten wir
an den Materialien, die zum grössten Teil auf dem Gelände des Hauptpostamtes
gelagert
wurden".
Herr Herbert Schweinsberger aus Arnstadt ergänzt: "Erste Arbeiten für den Ausbau
des
Schlosskellers zum Nachrichtenzentrum begannen schon 1937, sie wurden aber erst
später mit allem Nachdruck vorangetrieben. Die Arbeiten erfolgten unter
strengster
Geheimhaltung und Bewachung durch SS. Jeder von uns hatte mehrere Ausweise, die
wir von Berlin erhielten. Nach Abschluss der Arbeiten wurden sie uns sofort
wieder
abgenommen. Anfang der vierziger Jahre war der Keller bereits fertig. In ihm
waren drei
Fernsprechämter untergebracht. Ferner befanden sich darin wenigstens 50
Fernschreiber".
Lassen wir dazu noch Herrn Adolf Keiner aus Erfurt zu Wort kommen: " Ich kam von
Siemens zur Deutschen Post. Da ich mich schon immer für Technik interessierte,
übernahm ich 1937/38 das unterirdische Einsatzamt, das unter der Bezeichnung
"Amt
10" arbeitete, als Beauftragter der Post. In diesem Ohrdrufer Objekt war ich bis
zum
Kriegsende. Schon 1935/36 wurden vom Inselsberg und von den benachbarten Bergen
Messungen, vor allem im Dezimeterwellenbereich, vorgenommen, um, wie es hiess,
Vorbereitungen für die Einführung des Fernsehens zu treffen. Im Jahre 1939 wurde
dann
auf dem Inselsberg ein Sendeturm errichtet, der unter Verfügung der Wehrmacht
stand
und Lang-, Mittel- und Kurzwellensender beherbergte. Auf diese Einrichtungen
hatte die
Post keinen Einfluss. Analog dazu wurde 1937/38 ein gut getarntes System von
Drahtverbindungen mit unterirdischen Vermittlungs- und Verstärkerämtern
geschaffen.
Dabei gab es natürlich auch Knotenämter, wie zum Beispiel Zossen. Diese Ämter
waren
faktisch für einen Tag X geschaffen. ln Ohrdruf waren sie 1942 vollständig
eingerichtet
und wurden in ständiger Bereitschaft gehalten. Sie wurden aber erst in den
letzten
Kriegswochen im Vollauf gefahren. Sie trugen Tarnbezeichnungen, wie
beispielsweise
"Amt 10" in Ohrdruf, "Amt 8" in Arnstadt und so weiter. Unter den einzelnen
Ämtern
gab es keine reguläre dienstliche Beziehung. Einer durfte über den anderen
nichts wissen.
Bemerkenswert war der technische Aufwand der Anlagen. Technisch gehörte "Amt 10"
zur Reichspostdirektion, verwaltungsseitig zu Ohrdruf. Unser Objekt bestand aus
mehreren unterirdischen Korridoren, die übereinander lagen und von denen Türen
zu den
Seitenräumen abgingen. Die Länge jedes Korridors betrug sechzig bis siebzig
Meter. Am
Ende befanden sich die Hochtrennungsschaltanlagen. Geheizt wurde mit
Vollautomatik.
Die Türen waren mit Schleusen versehen. Laufend wurden durch zentrale Messungen
der
Überdruck, die Luftfeuchtigkeit usw. in jedem Raum überwacht. Auch
Ersatzaggregate
standen zur Verfügung. So zum Beispiel ein 475 PS starker Dieselmotor von den
Motorenwerken Mannheim, um die Anlagen jederzeit netzunabhängig fahren zu
können.
Hierfür gab es grosse Reservoirs an Dieselkraftstoff. Ein Brunnen, zweihundert
Meter
tief, war für die Wasserversorgung angelegt worden. Die Reichspostdirektion
hütete sich
indessen zu sagen, wofür das "Amt 10 bestimmt war. Natürlich konnte man sich das
an
den zehn Fingern abzählen, nur gesprochen werden durfte darüber nicht. Die zur
Verfügung stehenden Geräte waren von ausgezeichneter Qualität. Wir konnten
sofort
mit Königsberg telegrafieren und telefonieren. Wechselstromtelegrafie,
Lorenzsender,
alles war vorhanden. Ebenso waren völlig autonome Kabelsysteme gezogen worden.
Objekte wie das "Amt 10" gab es noch eine ganze Menge. Sie waren meist nur mit
ein
bis drei Mann besetzt. Welchem Zweck sie dienten, wurde geheimgehalten. Neben
den
erwähnten Ämtern in Ohrdruf und Arnstadt gab es Breitverstärkerämter in
Hohenkirchen
und Mittelhausen. Ein weiteres Amt befand sich in Benshausen bei Suhl, das vom
Rennsteig her gespeist wurde und die Strecke Meiningen-Berlin-Hamburg
vermittelte.
Ferner gab es ein solches Amt in Erfurt, das aber im Krieg durch einen
Volltreffer
zerstört wurde. ln all den Jahren, in denen das "Amt 10" bestand, war es in
ständiger
Bereitschaft. Wenige Monate vor Kriegsende kamen dann einige hundert Frauen,
sogenannte Nachrichtenhelferinnen, aus Köln. Zuvor war auch ein Stammtrupp der
Post
von dort eingetroffen. Erst zu dieser Zeit lief "Amt 10" in Vollauf. Zuerst
begannen die
Leute ihren Dienst ziemlich gelangweilt, dann wurde der Betrieb fast nur noch
nach der
östlichen Seite gefahren, da ja im Westen nichts mehr zu machen war". Wie streng
auf
die Geheimhaltung dieser Objekte geachtet wurde, bestätigt Herr Hans Röder aus
Erfurt:
"Ich war bei der Firma Wülfinghoff, Heizungs- und Rohrleitungsbau, in Erfurt als
Monteur beschäftigt. Während des Krieges musste ich Heizungsanlagen auf dem
Flugplatz Bindersleben und dann auch eine Ölheizung in Ohrdruf installieren. Bei
dem
Objekt in Ohrdruf handelte es sich um zwei unterirdische Anlagen, etwa so gross
wie das
Postscheckamt in Erfurt. Die unterirdischen Anlagen hatten drei Stockwerke.
Bauherr
war die Oberpostdirektion Berlin. Die Eingänge zu den unterirdischen Anlagen
waren als
Wochenendhäuser getarnt. In den Anlagen gab es grosse Säle, die als Schlaf- und
Arbeitsräume genutzt wurden. Wenn man in eine der Anlagen hineinkam, stand man
auf
jedem Treppenabsatz einem SS-Posten gegenüber, der den Ausweis genau
kontrollierte.
Wollten wir in die zweite Anlage, brauchten wir wieder einen anderen Ausweis. Im
untersten Stockwerk gab es Rohrkanäle, die beide Anlagen miteinander verbanden.
Ich
erinnere mich noch eines Erlebnisses, das zeigt, wie streng die Bewachung durch
die SS
war. Eines Tages kam eine Delegation von der Oberpostdirektion Berlin, die die
Anlagen
inspizierte. Sie wollte auch prüfen, wie die Wachbestimmungen eingehalten
wurden. Zu
diesem Zweck hatte man einige Ausweise der dort beschäftigten Arbeiter
vertauscht. Als
die nun den SS-Posten passierten und ihre Ausweise vorwiesen, meinte der, es sei
alles in
Ordnung und liess sie durch. Der Posten war seitdem dort nie wieder zu sehen..."
In der obersten Wehrmachtsführung gab es ausgesprochene Fetischisten der
Nachrichtentechnik. Sie galt von Anfang an als die eigentliche "Wunderwaffe".
Und das
nicht zu Unrecht. Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg glaubte man auf
mangelhafte Nachrichtenverbindungen zurückfuhren zu können. Das hatte einiges
für
sich, ging doch die Schlacht an der Marne verloren, weil die Verbindung mit den
auf
Paris vorrückenden Truppen abgerissen war. So hatte die deutsche
Wehrmachtsführung
seit Mitte der dreissiger Jahre die Nachrichtentechnik in den Rang einer
kriegsentscheidenden Waffe erhoben. Besonders wichtig war sie natürlich für die
Führungsstäbe von Wehrmacht und Heer. Nach dem Krieg hat es dann nicht an
spöttischen Bemerkungen zu der "Wunderwaffe" Nachrichtentechnik gefehlt, die ja
letztlich auch die direkte Intervention des "Obersten Feldherrn" Hitler in weit
von ihm
entferntes Kampfgeschehen ermöglichte. Das soll zwar nicht bedeuten, dass wir
jenen
recht geben, die behaupten, allein der Führer sei schuld an Deutschlands
Niederlage.
Doch so ganz im Unrecht waren wohl die Soldaten der deutschen
Nachrichteneinheiten
nicht, wenn sie, als Geschlagene heimkehrend, sarkastisch feststellten, der
Erste
Weltkrieg sei verloren worden, weil die Nachrichtenverbindungen zu schlecht
waren, die
Niederlage im Zweiten Weltkrieg hingegen sei den allzu perfekten Verbindungen zu
verdanken gewesen. Doch diese Erkenntnis, welchen Wert man ihr auch immer
beimessen mag, lag weit hinter den Geschehnissen, die uns in Verbindung mit dem
Jonastal interessieren. Hier war die "Wunderwaffe" schon lange vor
Kriegsausbruch
installiert, was nicht nur vermuten lässt, dass dem Raum Ohrdruf/Arnstadt von
vornherein
strategische Bedeutung beigemessen wurde.
Vorbereitungen
Welche Gegend war also besser prädestiniert, Zentrum des noch immer nicht
kapitulationswilligen Restreiches zu werden? Hitler selbst hatte das Ansinnen,
seinen
Befehlsstand aus Berlin zu evakuieren, stets energisch zurückgewiesen. Seine
Flucht aus
der Reichshauptstadt wäre einem Eingeständnis der Niederlage gleichgekommen.
Gegen
die Evakuierung von Führungsstäben der Wehrmacht oder des Heeres im Sinne des
"Auflockerns" war dagegen nichts einzuwenden. Doch wollen wir es bei dem Begriff
"Führerhauptquartier" belassen. Das ist schon deshalb berechtigt, weil sich der
Führer im
Dezember 1941 - nach der Ablösung des Generalfeldmarschalls von Brauchitsch -
selbst
zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannte (Oberbefehlshaber der Wehrmacht war
Hitler
ohnehin) . Im wesentlichen war S III wohl auch eine Idee Himmlers, der aus
Thüringen
eine letzte, sozusagen kleindeutsche Bastion zu machen gedachte, um sie den
Westmächten gegen eine "Teilkapitulation" zu übergeben. Die Gegend um Ohrdruf
bot
alles, was eine Festung verlangte. Der dortige Truppenübungsplatz befand sich
auf einem
Kalksteinberg. Und wenn man in dessen Hang Stollen vortrieb, war auch die
Luftsicherheit gegeben. Der brüchige, weiche Kalkstein war verhältnismässig gut
bearbeitbar; die Lage des Jonastals bot ideale Verteidigungsmöglichkeiten.
Dennoch war
es unter dem gegebenen Zeitdruck ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes
Unternehmen. Mitte Oktober 1944 verkündete der Kommandant des
Truppenübungsplatzes Ohrdruf, General von Gockel, seinem Offiziersstab, die
Wehrmacht habe auf höchsten Befehl den Platz sofort zu räumen. Die Kompanien
würden bis auf kleine Truppenteile Richtung Osten in Marsch gesetzt. In den
nächsten
Wochen würden hier Einheiten der SS Quartier beziehen. Das alles sei jedoch
streng
vertraulich zu behandeln. Wie es zur Räumung des Truppenübungsplatzes von der
Wehrmacht kam, berichtete Herr Siegfried Maron aus Luisenthal:
"Das Volksartilleriekorps 402 (Keulenkorps) kam nach kurzer, oberflächlicher
Ausbildung im Raum Küstrin etwa Ende September nach Ohrdruf auf den
Truppenübungsplatz und bezog zur weiteren Ausbildung für die Front die dortigen
Kasernen. Die Abteilung, der ich als Obergefreiter zugeteilt war, ich erinnere
mich nicht
mehr genau, ob es sich um die zweite oder dritte Abteilung handelte, unterstand
dem
Kommando eines Oberstleutnants. Wenn ich mich recht erinnere, hiess er Falk und
stammte aus Giessen. Ende Oktober, ich befand mich gerade auf einer Dienstreise
zur
Materialbeschaffung, mussten auf Weisung der SS alle anderen
Wehrmachtsangehörigen
den Truppenübungsplatz verlassen, um für die Unterbringung von KZ- Häftlingen
Raum
zu schaffen. Das geschah innerhalb von wenigen Stunden. Schon Tage zuvor war mir
aufgefallen, dass sogenannte Vorkommandos von Häftlingen wahrscheinlich nachts
eingetroffen waren, die gleich darangehen mussten, Löcher in den Boden um die
Gebäude
des Truppenübungsplatzes zu stemmen. Andere schleppten Derbstangen herbei, die
als
Pfähle in den Boden gerammt wurden. Wieder andere brachten den Stacheldraht für
den
Doppelzaun an. Die einzelnen Abteilungen des Volksartilleriekorps wurden auf die
Dörfer um Ohrdruf verteilt und bezogen Privatquartiere. Der Hauptteil rückte an
die
Front ab. Kaum jemand zweifelte noch daran, dass der Krieg verloren war. Das
wurde
jedoch nur leise und im vertrauten Kreis geäussert; denn mit dem Erschiessen war
man
sehr schnell dabei.
Als ich in jenen Tagen von der Dienstreise zurückkam, fand ich das Nachkommando
meiner Abteilung in Stutzhaus, jetzt Luisenthal. Ein junger, etwa
zweiundzwanzigjähriger Leutnant führte das Kommando. Er war ein durchaus
vernünftiger Mann, ganz im Gegensatz zu den Heissspornen von der Hitlerjugend. Er
stammte aus Polen, wo seine Eltern zwei grosse Güter besessen hatten, die sie nun
im
grossen Treck flüchtend verlassen mussten, um ins innerdeutsche Gebiet zu kommen.
Unser Nachkommando hatte die Aufgabe, für die Fronttruppe die noch fehlenden
Geräte
und Fahrzeuge zu beschaffen, zu verladen und mit einem Sondertransport
nachzubringen...
In dieser Zeit mussten ein paar Kraftfahrer unseres Nachkommandos mit ihren LKW
für
die Aktion Jonastal abgestellt werden. Sie hatten meist nachts und mit Plane zu
fahren.
Die Männer kamen nach solchen Einsätzen immer fix und fertig zurück. Sie waren
bleich
und verschlossen, keiner sprach darüber, was sie nun eigentlich zu fahren gehabt
hätten.
Die Befehle für solche Einsätze erhielt unser Leutnant Schubert vom KZ-Kommando
Ohrdruf und vom Führungsstab S III, der hier in Luisenthal, in der ehemaligen
Kreisparteischule, untergebracht war. Dort gab es auch einen SS-Arzt mit Namen
Greunuss. Er wohnte im jetzigen Kindergenesungsheim von Luisenthal, das
seinerzeit als
Krankenrevier eingerichtet war. Greunuss war ein gefährlicher Schweinehund, der
später
irgendwo untergetaucht ist. Immer schlich er hinter den Leuten her, horchte sie
aus, wie
sie über das Kriegsende dachten, um sie dann bei der Gestapo zu denunzieren.
Auch der
Rundfunkkommentator Hans Fritzsche hatte in Luisenthal Quartier bezogen und im
jetzigen Gasthaus "Zur Brauerei" den letzten grossdeutschen Sender eingerichtet.
Fritzsche ging im Führungsstab ein und aus und wohnte auch in dieser Villa. Der
Führungsstab selbst beschäftigte keine Zivilisten oder Dienstverpflichtete,
sondern hatte
hinter dem Hans ein kleines privat-KZ eingerichtet, in dem etwa hundert
Häftlinge
untergebracht waren. Der Führungsstab S III stand in direkter Verbindung mit dem
Baustab der SS in Friedrichsanfang. Bei der Überbringung einer Nachricht an den
Führungsstab sah ich etwa zwanzig SS-Offiziere geschäftig die Korridore
entlangeilen".
Die Räumung des Truppenübungsplatzes von der Wehrmacht fiel in Ohrdruf und den
umliegenden Orten nicht weiter auf. An Truppenverschiebungen war man gewohnt.
Hin
und wieder sahen die wenigen, die noch nicht an der Front waren, den General,
aber
sonst ging alles seinen "geregelten" Gang. Dass mehr hinter den
Truppenverschiebungen
steckte, sollte sich bald zeigen. Schon im September 1944 wurde der Arnstädter
Bürgermeister Huhn zu Gauleiter Sauckel nach Weimar bestellt. Der Rechtsberater
des
Bürgermeisters, Rechtsanwalt Dr. Elbracht, wurde bereits im Vorzimmer
abgefangen.
Huhn sah sich SS-Offizieren gegenüber. Sie waren vom
Wirtschaftsverwaltungshauptamt
nach Weimar geschickt worden, um dort Erkundungen für das Objekt "Olga"
einzuholen.
Der Arnstädter Bürgermeister, der bis dahin immer treu die Linie der NSDAP
befolgt
hatte, sah sich nun einer Situation gegenüber, die ihn das Schlimmste befürchten
liess.
Nach eingehender Vergatterung eröffneten ihm die Offiziere, das Jonastal sei
dazu
auserkoren, Hauptquartier des Führers und anderer hoher Dienststellen zu werden.
Der
Bürgermeister mochte sich drehen und wenden, wie er wollte, all seine Einwände
hinsichtlich des ehrwürdigen Alters der Stadt, ihrer Baudenkmäler und sonstigen
kulturhistorischen Werte fruchteten nicht. Dennoch gab er so schnell nicht auf,
führte
auch die sich häufenden Einflüge von anglo-amerikanischen Bomberverbänden ins
Feld.
Doch die Herren von der SS entkräfteten ein Argument nach dem anderen.
Schliesslich
trösteten sie ihn damit, dass im Falle einer Bedrohung die Hauptkampflinie
ausserhalb der
Stadt verlaufen werde. Zu dieser Zeit hatten Spezialkommandos der SS einige
Leute in
Ohrdruf aufgesucht, von denen sie wussten, dass sie über geologische Kenntnisse
verfügten. So auch Herrn
Studienrat Julius Böttcher. "Eines Tages kam eine Expertengruppe der SS zu mir
und
verlangte ein geologisches Gutachten über die Beschaffenheit der Kalksteinfelsen
im
Jonastal. Die Herren begründeten ihr Interesse für die Felsen damit, dass sie
sagten, hier
solle ein Hauptquartier für den Führer gebaut werden. Wenn das so ist,
entgegnete ich,
dann kann ich Ihnen einen anderen Tip geben. Ganz in der Nähe von Ohrdruf
befindet
sich ein Manganerzbergwerk, das über sehr ausgedehnte Gänge verfügt. Die Herren
haben zu verstehen, dass sie darüber informiert seien, aber so etwas für den
Führer nicht
in Frage käme. Ich nahm sie deshalb mit ins Heimatmuseum und zeigte ihnen die
geologische Übersichtskarte. Für die Erarbeitung des geologischen Gutachtens
verwies
ich sie an einen Freund von mir, Geheimrat Zimmermann in Berlin, der bei der
Geologischen Landesanstalt tätig war und unser Gelände durch häufige Exkursionen
mit
mir bestens kannte. Er muss es dann wohl auch gewesen sein, der das Gutachten
erarbeitete ...". Studienrat Bötcher erinnerte sich noch an eine andere Episode:
"Als das
unterirdische Nachrichtenamt geschaffen wurde, da hat man mich auch um meinen
Rat
befragt. Das vor allem, als hier der Tiefbrunnen für das "Amt 10" in Angriff
genommen
wurde. Ich sagte damals, hier stossen sie nicht auf Wasser. Aber die Leute liessen
sich
nicht beirren und meinten, sie müssten unbedingt Wasser fnden, und wenn es noch
so tief
wäre. Die Grube, die zu dieser Zeit schon vorhanden war, hatte etwa die Ausmasse
zwanzig mal sechzehn Meter. Für mich war diese Stelle sehr interessant, weil
hier eine
Menge Versteinerungen gefunden wurden. Ja, ich glaube, man hat die Bohrung auf
zweihundert Meter niederbringen müssen, um überhaupt auf Wasser zu stossen. Aber
wissen wir wirklich, welche Bewandnis es mit diesem Tiefbrunnen hatte?
Es war an einem schönen, wolkenlosen Sommertag. Die Leute, die die Sache hier
leiteten, wollten sich über einen Spass halbtot lachen, den sie sich mit dem
Landrat
erlaubt hatten und den ich selber miterlebte. Mein Freund, er war Adjutant des
Generals
von Göckel und auch geologisch interessiert, sorgte immer dafür, dass ich den
Platz
betreten durfte. Nun, an diesem bewussten Tag, fuhr der Landrat mit seinem Wagen
über
den Platz. Plötzlich lief der Motor nicht mehr. In voller Fahrt setzte er aus.
Wie ich
hörte, geschah das durch ein elektromagnetisches Feld, das von einer
unterirdischen
Anlage erzeugt worden war. Das könnte man auch bei Panzern so machen, habe ich
dann
noch gehört. Wissen Sie denn, warum während des gesamten Zweiten Weltkriegs
keine
Bombe auf den Truppenübungsplatz gefallen ist, obgleich die Amerikaner und
Engländer
durch ihre Spione ganz genau wussten, dass hier schliesslich auch SS lag? Eben
deshalb,
weil sie um diese Anlagen wussten. Lediglich auf Ohrdruf wurde ein Angriff
geflogen, bei
dem dann viele Ohrdrufer umgekommen sind".
Von solcherlei Experimenten auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf, feindliche
Flugzeuge durch die Lahmlegung ihrer elektrischen Anlagen zum Absturz zu
bringen, ist
in Ohrdruf und den umliegenden Ortschaften noch heute die Rede.
Ende Oktober 1944 begannen im Jonastal bei Arnstadt emsige Arbeiten. Die Strasse,
die
bisher Arnstadt mit Oberhof verbunden hatte, wurde über Nacht gesperrt. In die
Kasernen von Ohrdruf zog SS ein. Eine Besprechung jagte die andere. Firmen, die
bisher
weiter östlich tätig gewesen waren, mussten ihre Arbeit einstellen und wurden
dienstverpflichtet, sich in Ohrdruf zu melden. Bei den Appellen im
Konzentrationslager
Buchenwald flüsterte man von S III.
Nur ein Führerhauptquartier?
Nicht einmal bei euphorischster Beurteilung der Lage an beiden Fronten leuchtet
das Ziel
ein, das Objekt "Olga" bis zum 20. April 1945, dem 56. Geburtstag des Führers,
fertigzustellen. Fünfundzwanzig Hauptstollen mit zahlreichen Querverbindungen
sollten
zu diesem Termin übergeben werden. Aber war das wirklich alles, was das Vorhaben
S
III umfasste? Niemand hat sich bisher der Mühe unterzogen, einmal nachzurechnen,
was
insgesamt fast dreissigtausend KZ-Häftlinge, trotz der ungeheuerlichen
Sterberaten, in
viereinhalbmonatiger Dreischichtarbeit in dem Kalksteinhang anlegen konnten. SS-
Hauptsturmführer Albert Schwartz, vom 1. Oktober 1941 bis 11. April 1945
Arbeitseinsatzführer im Konzentrationslager Buchenwald, 1947 im Buchenwaldprozess
zum Tode verurteilt, dann jedoch zu zehn Jahren Gefängnis begnadigt und schon im
Jahre 1950 auf freien Fuss gesetzt, sagte bei seiner Vernehmung durch die
Alliierten am
19. Februar 1947 zu S III aus: "Karl Sommer (SS-Hauptsturmführer,
stellvertretender
Leiter des für die Zuteilung von Arbeitskräften aus den KZ zuständigen Amtes D
II im
WVHA, 1947 zum Tode verurteilt, später zu lebenslänglicher Haft begnadigt -
d.V.)
besuchte Ende 1944 Buchenwald. Der Grund dieses Besuches war, alle verfügbaren
Arbeitskräfte für den Bau eines geheimen Führerhauptquartiers in der Nähe von
Ohrdruf
zu bekommen. Dieses Bauvorhaben lief unter der Geheimbezeichnung S III. Es wurde
in
grösster Eile vorbereitet, obwohl alle zuständigen Stellen wussten, dass so ein
Vorhaben
längere Zeit in Anspruch nehmen würde. SS-Standartenführer Maurer (Leiter des
Amtes
D II im WVHA, 1947 in Krakau zum Tode verurteilt - d.V.) wollte jedoch beweisen,
dass dieses Bauvorhaben in kürzerer Zeit mit Häftlingen durchzuführen wäre. In
dieser
schriftlich niedergelegten und beeidigten Aussage von Schwartz findet sich
zugleich die
Bemerkung "..Ich habe auch gelegentlich bei einer Besprechung erfahren, dass
neben
dem Führerhauptquartier auch Startbahnen für V-Waffen in Ohrdruf errichtet
werden
sollten". Kaum ein Zweifel dürfte daran bestehen, dass Thüringen für eine Art
Exil der
Reichsregierung vorgesehen war, sozusagen für ein "Kleindeutschland" im grünen
Herzen Deutschlands. Alle in den Bereich des künftigen Führerhauptquartiers
einbezogenen Ortschaften erhielten Decknamen. Für Arnstadt galt "Alma", für
Ohrdruf
"Olga" (wie für das Hauptquartier), für Ilmenau "Ilse", für Weimar "Werner", für
Gotha
"Günther", für Tabarz "Habichtshof", für Tambach-Dietharz "Silvia", für Ruhla
"Rudi"
usw.
Die Herren beziehen Quartier
Nicht nur das Oberkommando des Heeres zieht nach Thüringen. Quartiere für
Generalfeldmarschall Kesselring und Würdenträger der Reichsregierung. Das
Schatzlager
in Merkers. Stellplätze für Hitlers und Görings Sonderzüge. Hitler weigert sich
umzuziehen. Der Salonwagen von Compiegne.
Merkwürdig erscheint uns heute, weshalb die massgeblichen Stellen in der obersten
Heeresleitung und in der Reichsregierung erst im Februar 1945 das Objekt "Olga"
zur
Sprache brachten. So wird in einem von Generaloberst Heinz Guderian
unterzeichneten
Schreiben des Generalstabs des Heeres auf den Befehl Nr. 71/45 vom 12.2.1945
Bezug
genommen, der die Verlegung des OKH in den Raum "Olga" anordnete. In dem mit dem
26.2.1945 datierten Schreiben heisst es "In Fortsetzung der Massnahmen o. a.
Befehls
wird Masse Staffel A in den Raum "Olga" am 27.2.45 beginnend verlegt ... Mit der
Durchführung der Verlegung und Unterbringung im neuen Raum wird Kdt Hqu OKH
beauftragt. Unterkünfte sind noch nicht ausgebaut ... Fehlen von Luftschutz im
neuen
Raum erfordert als erste Massnahme Selbsthilfe durch Bau von Splittergräben und
strengste Luftschutzdisziplin.
Vorbereitungen für Mot-Marsch für Gesamt HQu OKH durch Gen. Insp. d. Pz. Tr.
(Generalinspekteur der Panzertruppen - d.V.) laufen aus ... Gen Qu regelt
Betriebsstoffversorgung für Verlegung und Durchführung der Entladeaufgaben im
Raum
"Olga" ...
Strengste Geheimhaltung und Durchführung der erforderlichen Abwehrmassnahmen ist
sicherzustellen.
Weitere Befehle dieser Art, die jeweils Präzisierungen hinsichtlich
Mannschaftsstärke,
Transportmittel, Zeit der Evakuierung und Zwischenunterkünfte enthielten,
folgten noch
bis zum 26. März. Erst am 9. März 1945 ergeht eine von General Wilhelm Burgdorf,
Chefadjutant der Wehrmacht beim Führer ad interim, unterzeichnete Information an
alle
Dienststellen. Darin heisst es: "Auf Befehl des Führers hat Reichsführer-SS im
Raume
Ohrdruf den Ausbau einer neuen Unterkunft FHQu übernommen. Mit der Durchführung
ist SS-Gruppenführer Kammler beauftragt worden.
Auf Grund der gemäss Führerentscheid vorzubereitenden und teilweise
durchzuführenden Verlegung des FHQu's und anderer Dienststellen in diesen Raum
ist
eine Neuregelung der ört1ichen Leitung und Lenkung von baulichen und
unterkunftsmässigen Fragen erforderlich.
Im Einvernehmen mit SS-Gruppenführer Kammler wird für alle auftretenden Bau- und
Unterkunftsfragen sowie für Sonderzugabstellungen als dessen Vertreter der dem
Chefadjutanten der Wehrmacht beim Führer unterstehende Oberst Streve, Kommandant
Führerhauptquartier bestimmt.
Die zuständigen örtlichen Dienststellen im Raume Ohrdruf:
a) Arbeitsstab Oberst Streve
(Major Budnick)
b) Bauleitung SS-Gruppenführer Kammler
(Hptstuf. Grosch)
haben Weisung, an sie herantretende Anforderungen nur nach Genehmigung durch
Oberst Streve durchzuführen."
Warum diese Information so spät erteilt wurde, wissen wir nicht. Rodney Minott
schreibt in seinem 1964 erschienenen Buch über die sogenannte Alpenfestung:
..Anfang
März (1945 - d.V) plante Hitlers Stab in Berlin, die Reichskanzlei nach
Thüringen zu
verlegen. Goebbels protestierte; er meinte, dass jede derartige Verlegung sinnlos
wäre. Er
wusste, dass das Ende nicht mehr weit war und plante inmitten der Ruinen von
Berlin
eine "Götterdämmerung" im Nazistil.
Ende Januar hatten die Sowjets in der Nähe von Wriezen die Oder überschritten
und
stiessen unter verlustreichen Kämpfen auf beiden Seiten der Front weiter auf
Berlin vor.
Im Westen war es den Amerikanern am 7. März gelungen, nach der Überquerung des
Rheins bei Remagen einen Brückenkopf zu bilden, der günstige Möglichkeiten für
das
weitere rasche Eindringen in das Restreich eröffnete. In diesem Falle hatte
Goebbels
zweifellos recht, wenngleich er die "Volksgenossen" noch immer auf den Endsieg
zu
drillen bemüht war. Hitler selbst griff erst am 20. April 1945, als die Kämpfe
um die
Reichshauptstadt bereits einsetzten, den Vorschlag auf, die Reichsführung in
einen
nördlichen Teil (unter Dönitz) und einen südlichen Teil (unter Kesselring)
aufzugliedern
und sich selbst auf den Obersalzberg zurückzuziehen. Dort war schon alles
vorbereitet
auf den Empfang des Führers, doch der blieb in Berlin, noch immer auf Rettung
durch
die "Vorsehung" hoffend. Fünf Tage später hatte die Rote Armee den Ring um die
Reichshauptstadt geschlossen.
Schon lange vor dem 9. März hatten sich Reichsstellen, (darunter auch Teile der
Reichskanzlei) um die Evakuierung in den Raum Thüringen beworben. Am 31.Januar
1945 schlug der Reichsminister der Finanzen, Ernst-Anton Kroigk, vor, die
Reichsregierung sowie die Gold- und Devisenbestände der Reichsbank nach
Thüringen
zu verlagern. Eine Evakuierung der Reichsregierung lehnte Hitler ab, nicht
jedoch die der
Reichsbankschätze. Vom 12. Februar bis zum 13. März 1945 gingen vierundzwanzig
Eisenbahnwaggons mit diesen Schätzen nach Merkers im (damaligen) Kreis Eisenach,
wo die kostbare Fracht in die Kalischächte Kaiseroda II/III eingelagert wurde.
Die
Operation wie auch das Geheimdepot erhielten den Code "Walross".
Unmittelbar nach dieser Aktion brachten - einer Weisung der Reichskanzlei
folgend -
auch die Berliner Staatlichen Museen ihre wertvollsten Schätze in den
Kalischächten von
Merkers unter.
Der für den Bau von "Olga" vom Führer verantwortlich gemachte SS-Chef Heinrich
Himmler hatte bereits Ende Oktober 1944 Vorkehrungen für Verlagerungen treffen
lassen. So heisst es in einem mit dem 28. Oktober datierten Bericht des für
Wirtschafts-
und Haushaltsfragen zuständigen Amtes II des Reichssicherheitshauptamtes "In
Ransbach ... werden 5000 Quadratmeter für das Reichssicherheitshauptamt für
Lagerung
von Akten, Kunstgegenständen, Gemälden usw. hergerichtet. Der Vertreter des
Reichssicherheitshauptamts, SS-Sturmbannführer Knoll, war über das Ergebnis der
kürzlichen gemeinsamen Besichtigung in Ransbach sehr befriedigt". Der
Kalischacht
Ransbach (Hessen) lag nur wenige Kilometer von dem späteren Reichsbankdepot in
Merkers entfernt.
Hitler hatte sich indes, wie bereits erwähnt, bis zuletzt der Umsiedlung der
Reichsregierung nach Thüringen widersetzt. Der Evakuierungsbefehl für Teile der
Wehrmacht rührte offenbar daher, die Region um Arnstadt/Ohrdruf zu einem
geheimen
Verteidigungszentrum auszubauen. Im weiteren Sinne gehörte dazu auch der Raum
Nordhausen, wo Himmler im Februar 1945 ein mehrere hundert Quadratkilometer
grosses Terrain für die SS-Führung abgrenzen liess.
Überhaupt schien Thüringen im Endstadium des Dritten Reiches als einzig
funktionsfähiges Areal verblieben zu sein. So schreibt Ralph Ingersoll in seinem
1946
erschienenen Buch "Top secret": "Nachdem Bradley (Oberkommandierender des
Zwölften US-Armeekorps - d.V.) den Rhein überquert hatte, wählte er den
Thüringer
Wald in Mitteldeutschland anstelle Berlins als Endziel und schickte dann Patton
(Chef
der Dritten US-Armee - d.V.) weiter nach Süden gen Österreich. Was von
Deutschlands
Industrie verblieb, war über den Thüringer Wald verstreut".
Aus einem "Auflockerungs"-Befehl des Chefs der Führungsgruppe im Generalstab des
Heeres, General der Infanterie Hans Krebs, vom 29. März 1945 erfahren wir, dass
das
Oberkommando des Heeres in der Gegend um das Jonastal bereits weitgehend
Quartier
bezogen hatte - Einheiten des Generals der Infanterie, des Chefs des
Heeresnachrichtenwesens, des Generals der Nachrichtenaufklärung, des Generals
der
Eisenbahntruppen, des Generals der Pioniere und des Festungsbaus, des
Kommandeurs
des Kartierungs- und Vermessungswesens, des Nationalsozialistischen
Führungsoffiziers
beim Generalstab des Heeres, des Fliegerverbindungsgeschwaders 2, des Festungs-
Nachrichtenregimen Ls 601, die Organisationsabteilung des OKH, der
Generalquartiermeister, der Generalinspekteur der Panzertruppen usw. Die Truppen
mussten sich vorerst noch mit "mobmässig erkundeten Ausweichquartieren" begnügen.
"Die von den Abteilungen beauftragten Quartiermacher erfragen und empfangen ihre
diesbezüglichen Anweisungen vom Sonderstab Z (Zentralamt des Heeres - d.V) -
Lager
"Olga". Jede wilde Quartiermacherei, die nur zu unnötigen Reibungen führt, muss
vermieden werden"., heisst es noch in einer Anweisung vom 26. März 1945. Als
Ausweichquartiere dienten neben Kasernen, Ferienheimen, Kurhäusern, Hotels,
Schlössern und Gasthöfen nur in begrenztem Masse Privatunterkünfte. Viele dieser
Unterkünfte waren jedoch schon anderweitig belegt, unter anderem auch von Teilen
der
Reichskanzlei.
Seit dem 25. Januar 1945 war jeder Zuzug in den Kreis Gotha gesperrt. Unter dem
Vorwand, das Verteidigungszentrum in Thüringen verstärken zu wollen, nisteten
sich
auch Leute wie der Reichsbauernführer Richard W. Darre in Stadtilm, Goebbels
Stellvertreter Hans Fritzsche in Luisenthal, der Staatssekretär im
Reichsfinanzministerium Fritz Reinhardt, im Jahre 1950 von einer Münchener
Entnazifizierungs-Spruchkammer als "Hauptschuldiger" eingestuft, in Ilmenau,
Reichsdentistenführer Blumenstein - der sich wegen seiner hochwissenschaftlichen
Bemerkung, Kauen sei reichswichtig, den Spott der deutschen "Volksgenossen"
zugezogen hatte - in Geschwenda ein. Anfang März 1945 bezog auch
Generalfeldmarschall Albert Kesselring, nach der Ablösung von Rundstedts zum
Oberbefehlshaber West ernannt, zunächst in Crawinkel und bald darauf im
standesgemässen Schloss Reinhardsbrunn Quartier; sein Stabszug, neben dem Bahnhof
Crawinkel abgestellt, wurde von amerikanischen Bombern am 6. Februar 1945
angegriffen. Kesselring hat dann Ende März sein Hauptquartier in den Harz
verlegt. Der
Angriff auf seinen Stabszug kostete siebzig Ohrdrufer Bürger das Leben.
Weitere Informationen, die ziemlich eindeutig belegen, dass massgebliche Stellen
in der
nazistischen Führungsclique trotz Hitlers Ablehnung in Thüringen ein neues
Reichszentrum einzurichten gedachten, entnehmen wir den Aussagen von Zeitzeugen
aus
diesem Raum.
So erinnerte sich Herr Arno Wieckert, seinerzeit Stationsvorsteher der Deutschen
Reichsbahn in Oberhof:
"An einem Tag im März 1945 war es, da suchte mich eine Expertengruppe der SS in
meinem Dienstraum auf. Während die Herren darauf hinwiesen, dass hier das
Führerhauptquartier herkommen solle, breiteten sie zwölf Karten auf den Tischen
aus, in
denen bereits Eintragungen zu sehen waren. Ich wurde aufgefordert: "Fertigen Sie
eine
Liste von allen Leuten an, die hier, unterhalb des Bahnhofs, in der Siedlung
wohnen, und
vergessen Sie dabei nicht einzuschätzen, wie diese Leute zu unserem Führer
stehen". Der
Major, der diese Worte gesprochen hatte, duldete keinen Widerspruch und fügte
seinen
Worten hinzu: "Wahrscheinlich wird es so werden, dass Sie und ein Regierungsrat
aus
Berlin hierbleiben, während die anderen Bewohner der Siedlung die Häuser
verlassen
müssen. Sie und der Regierungsrat aus Berlin sind für die Sicherheit des
Brandleitetunnels voll verantwortlich...
Während des Gesprächs fuhr vor dem Bahnhofsgebäude eine Fahrzeugkolonne vor.
Soldaten, an deren Uniform zu erkennen war, dass sie einer Nachrichteneinheit
angehörten, sprangen herab. "Ach ja, ich hatte noch nicht gesagt, dass wir in
Ihrem Haus
eine Funkereinheit stationieren müssen, sie soll dort eine Vermittlungsstelle
einrichten.
Ich hoffe, Sie machen uns keine Schwierigkeiten., setzte der Major das Gespräch
fort".
Weiter wusste Wieckert zu berichten:
"Auf den umliegenden Bergen sollte, wie damals gesagt wurde, schwere Flak
stationiert
werden. Der Organisation Todt war die Aufgabe gestellt, auf der rechten Seite
des
Brandleitetunnels Stollen in den Berg zu treiben. Vorgesehen war, dass die
Sonderzüge
Hitlers und Görings in den Brandleitetunnel geschoben werden und in den
Taleinschnitten zu beiden Seiten des Tunnels weitere Sonderzüge des
Oberkommandos
der Wehrmacht und verschiedener Regierungsstellen unterge- bracht werden
sollten.
Dabei war auch beabsichtigt, einige dieser Sonderzüge im Raum Ohrdruf/Crawinkel
aufzustellen. Mich hatte man persönlich dafür verantwortlich gemacht, dass
ständig
hinreichend Lokomotiven unter Dampf gehalten wurden. Tagsüber sollten die Züge
von
Hitler und Göring - der dicke Hermann hatte ja hier in der Nähe ein Jagdschloss -
vor
dem Tunnel stehen, bei der Ankündigung feindlicher Flugzeuge jedoch sofort in
den
Tunnel geschoben werden. Die erwähnte Expertengruppe der SS sprach auch davon,
dass
in dem Tunnel ein Gehweg gebaut und eine Wasserleitung dorthin installiert
werden
sollte. Einer von Hitlers Stabsärzten, der zu der bei mir erschienenen
Expertengruppe
gehörte, entnahm während des Gesprächs in meinem Amtszimmer auf dem
Bahnhofsgelände Wasserproben. Die ganzen Massnahmen konnten aber gewissermassen
nur eine Notlösung sein, weil das in Bau befindliche Führerhauptquartier nicht
termingerecht fertig wurde. Der Vormarsch der Amerikaner erfolgte dann ja auch
sehr
rasch, so dass der Spuk hier in Oberhof ein baldiges Ende fand. Ich erinnere
mich, dass
vorgesehen war, bei Crawinkel den Sonderzug von Generalfeldmarschall Kesselring
und
einen Diplomatenzug abzustellen".
"Alles vom Feinsten"
Die Behauptung, im Jonastal sei nichts fertig und alles so gewesen, wie es die
Rote
Armee von einem Arnstädter Architekten im Oktober 1945 aufgelistet erhielt,
dürfte
kaum den Realitäten entsprechen. Zeugen wussten jedenfalls anderes zu berichten.
So erinnerte sich Edmund Möller aus Gehren-Jesuborn: "Bei meinen Arbeiten in den
Stollen sah ich grosse Stahltüren, die ständig geschlossen gehalten wurden. Auch
wir als
Elektriker sind hier nicht reingekommen".
Karl Zehnel aus Ichtershausen geht noch weiter: "Es steht fest dass die Stollen
nahezu
fertig waren. Es wird immer viel erzählt, aber wir, die wir dort gearbeitet
haben, müssen es ja schliesslich am besten wissen ... Ich selbst habe
Parkettfussboden
verladen und in die Stollen gefahren. In den letzten acht Tagen, bevor die
Amerikaner
kamen, waren die unterirdischen Konferenzräume, Befehlsstände und grosse Hallen
fertig".
Eduard Herms aus Ohrdruf (er war bei der Strassenbau AG., Niederlassung Weimar,
beschäfigt) stimmt dem zu:
"Grosse Teile des Stollensystems waren bereits gekachelt und mit Fliesen
ausgelegt ...
Ich kann nur so viel sagen, dass das Objekt unmittelbar vor der Einweihung
gestanden
haben muss".
Gleiches sagte Herr K.W aus Arnstadt (obgleich das Interview mit ihm bereits
1964
stattfand, wollen wir bei der Vereinbarung bleiben, seinen vollen Namen nicht zu
nennen):
"Ich war damals im Jonastal dienstverptlichtet und musste zusammen mit anderen
von
der Firma Elektro-Beyer, Erfurt, Elektroleitungen auf den Baustellen eins und
zwei
verlegen. Dabei kamen wir in die Stollen. Die Gänge waren bereits mit hellen
Kacheln
verkleidet. Der weiteste mir bekannte Vortrieb in das Innere des Berges betrug
neunhundert Meter. Vermutlich hat die SS kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner
im
Innern des Berges die wichtigsten Gänge zugesprengt".
Auf dem Hof der schon erwähnten Frau Traute Schleichardt befand sich ein
Sägewerk,
in dem HoIz für dass Jonastal zugeschnitten wurde. Frau Schleichardt erinnert
sich noch
der begeisterten Schilderungen des Sägewerksbesitzers, der eines Tages von einem
der
Architekten (er stammte aus Kassel) in das Jonastal mitgenommen wurde, "um zu
sehen,
was aus seinem Holz gemacht werde". Der Sägewerksbesitzer "schwelgte geradezu in
seinen Schilderungen von dem in jeder Hinsicht kaum vorstellbaren Luxus:
Teppiche,
Möbel, alles vom Feinsten, Parkettfussböden, Teppiche und Gemälde an den Wänden".
Frau Cläre Werner aus Arnstadt - die für ihre Leistungen um die Rettung
Arnstadts und
der Kunstschätze auf der Wachsenburg übrigens nie ein Wort des Dankes erfahren
hat -
erinnert sich, dass Einwohner von Bittstädt Kisten im Jonastal eingelagert haben
sollen.
Sie zweifelt jedoch an, dass die SS in allen Stollen gesprengt hat.
"Ich war ja selbst noch drin, weiss nicht mehr, ob es der Stollen eins oder zwei,
von
Arnstadt her kommend in Richtung auf Crawinkel, war. Jedenfalls brachte mich ein
UkrainerAnfang Juli 1945 in den Stollen. Drinnen stand ich vor schweren Türen,
Doppeltüren mit Eisenbeschlag. Der Ukrainer öffnete eine dieser Türen, und wir
betraten
einen etwa acht oder neun Meter langen Raum, dessen Decke und Wände mit
rustikaler
dunkelbrauner Eiche getäfelt waren. Ich erinnere mich an je einen schweren Steg-
und
Schreibtisch, eine Couch und entsprechende Beleuchtung. Der Fussboden war mit
Parket
belegt. Man konnte in dem Raum wohnen und schlafen. Der mich begleitende
Ukrainer
klopfte die Wände ab und machte mich darauf aufmerksam, dass sie beweglich seien.
Ich
hatte den Eindruck, dass es sich hier um einen Wachraum handelte, der in einem
der
Querstollen untergebracht war".
Auch hier wird man an Schilderungen über die Festung auf dem Obersalzberg
erinnert.
Die Parkettfussböden von Bormanns Bunkern waren von kostbaren Wandteppichen
bedeckt, die Wände mit erlesenen Hölzern bekleidet. Es war halt alles wie zu
Hause und
noch ein bisschen besser, denn die Kosten für das Ganze trug ja der
"Volksgenosse". Und
Göring stand darin seinem verhassten Rivalen nicht nach. Hitler hat dann später,
im Juni
1944, angewiesen, bei der Ausstattung von Führerhauptquartieren auf unnötigen
Komfort zu verzichten: "Der Führer betont ausdrücklich, dass er die
Inneneinrichtung der
Bunker in einfachster Art wünscht, insbesondere befiehlt er das Weglassen von
Holzverkleidungen". Frau Schleichardt sprach auch von "Gemälden an den Wänden".
Woher stammten die? Aus der Reichskanzlei? Aus den Berliner Museen? Die
Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin vermisst noch immer 411 Bilder.
Alter
Meister, deren heutiger Auktionswert nicht unter einer Milliarde Mark liegen
dürfte. Sie
sollen in ihrem Auslagerungsdepot im Berliner Friedrichshain (unter sowjetischer
Bewachung) Mitte Mai 1945 verbrannt sein. Nähere Untersuchungen haben jedoch
ergeben, dass dies nicht stimmen kann. Einer anderen Version zufolge seien die
Bilder
Anfang 1946 in einem russischen Depot in Angermünde verbrannt. Aber auch das ist
eine
sehr vage Hypothese. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit befanden
sich die
411 Gemälde nicht im Flakleitturm des Berliner Friedrichshains, als dessen
Inhalt in
Flammen aufging. Wohin sind sie gekommen?"
Angaben des bereits früher zitierten ehemaligen Wehrmachtgefreiten Siegfried
Maron
zufolge hatten sich Einwohner der Ortschaften um SIII damals, also nach dem
Einzug
der Amerikaner, im verlassenen SS Führungsstab in Luisenthal auch mit Gemälden
bedient. Bekannt ist indes, dass schon unter den amerikanischen Besatzern mit
Demontagearbeiten im Jonastal begonnen wurde. Das mutet recht seltsam an. Was
sollten die Amerikaner mit Einrichtungselementen eines Führerhauptquartiers
angefanen
haben? Oder war da noch anderes? Ein Zeitzeuge, Richard Kaiser, der von Anfang
an bei
den Demontagearbeiten - deutsche Treuhandfirmen wurden damit beauftragt - dabei
war,
ist 1987 verstorben. Sein Sohn Gerhard kann sich jedoch noch an die
Schilderungen des
Vaters erinnern. "Es ging den Amerikanern wohl um Produktionsanlagen. Als dann
die
Russen vom Jonastal Besitz ergriffen, wurde alles, bis auf den letzten
Lichtschalter,
abgebaut".
Waren auch Kunstschätze unter dem, was die Amerikaner "demontierten"? Fanden sie
in
dem Höhlenlabyrinth Archive? Mit der Evakuierung von solcherlei Dingen hätte man
deutsche Firmen freilich nicht beauftragt. Der Abtransport der Reichsbank- und
Museumsschätze aus dem Kalischacht von Merkers wie auch anderer Wert- und
Produktionsgüter, die sich in der den Sowjets zugesprochenen Zone befanden,
darunter
auch die wichtigsten Teile der A4-Anlagen in Nordhausen, brachte den Amerikanern
einigen diplomatischen Ärger ein. Das ging bereits aus einem mit dem 10.Apri1
1945
datierten "Eyes only" von General Marshall hervor. War es das, was die USA
veranlasste,
das Kapitel "Jonastal" künftig unerwähnt zu lassen? War es wirklich SS, die die
schon
fertigen Bereiche in den Stollen zugesprengt hat, und wie kommt es, dass fast
alle Stollen
in der Zwischenzeit mehr oder weniger zugänglich wurden, der für unsere
Untersuchungen (zunächst) interessanteste Stollenkomplex 21-25 jedoch nicht?
Erstaunlich auch die Erinnerung von Herrn K. W aus Arnstadt, dass die Stollen bis
zu
900 Meter in den Berg vorgetrieben worden sein sollen. Der längste Stollen, den
man
1945 vorfand, mass knappe 120 Meter. Und das fanden wir bei unseren Besuchen in
dem
Stollenlabyrinth bestätigt.
Die Suche nach einem Verbindungstrakt zwischen den Komplexen 16-20 und 21-25
blieb
indes erfolglos, obgleich die Stollen bemerkenswert gut "bewettert" (belüftet)
sind, wie
unsere Kerzenflamme bewies. Aber unser Bergbauexperte I.eo Micklitz verbrachte
über
sechs Stunden in der heute nur noch von Fledermäusen bewohnten Unterwelt, ohne
die
Spur eines Verbindungstrakts zu finden.
Birgt also der bislang unerschlossene Stollenkomplex 21-25 das Geheimnis?
Reichte er
bis zu 900 Meter in den Berg? Oder gab es noch weitere unterirdische Räume?
Immerhin
hat (bis auf Frau Werner) keiner von den Zeugen zu erkennen gegeben,in welchen
Stollen er die fertigen Räume gesehen hat. Jedenfalls war der grösste Teil der
Gänge nicht
fertiggestellt, und selbst in dem Komplex 16-20 konnten wir keine Spuren von
Kacheln
oder Fliesen finden, sie waren jedoch bis auf einen kleinen Nebentrakt fertig
betoniert.
Nicht unerwähnt bleiben soll schliesslich noch der Bericht des ehemaligen S
III-Häftlings
Alexander Wlassow aus dem Jahre 1967. Wlassow war von Anfang an, also seit den
ersten Novembertagen 1944, im Jonastal. Er schrieb unter anderem:
"Die Arbeiten verliefen in drei Schichten. Während die Häftlinge des Zeltlagers
(Espenfeld - d.V) hauptsächlich mit dem Bau von Wegen und dem Entladen des
eintreffenden Baumaterials beschäftigt waren, wurden in Crawinkel Tunnel
angelegt und
unterirdische Räume gebaut. Wir hörten oft Erzählungen über riesige
unterirdische Säle,
über die Einrichtung von unterirdischen Fabriken. Beharrlich liefen Gerüchte,
dass die
unterirdische Fabrik von Crawinkel V2-Waffen herstellen sollte. Ausserdem wurden
unterirdische Wohnräume und Unterstände gebaut, die ausgestattet waren mit
grossem
Luxus und Komfort. Es ging das Gerücht, dass dort der Stab Hitlers untergebracht
werden sollte, aber das hielten wir für übertrieben".
Wo sollen sich die Räume für die unterirdischen Fabriken befunden haben? In den
von
uns aufgesuchten Stollen fand sich nicht der geringste Hinweis darauf. Und es
dürfte
ausgeschlossen sein, dass sich solche Räumlichkeiten in den Gängen des
Stollensystems 1
bis 25 befunden haben, die von dem Arnstadter Architekten im Herbst 1945
vorgefunden
wurden. Die Herren vom Oberkommando des Heeres hätten es sich wohl energisch
verbeten, Wand an Wand mit Produktionsräumen zu residieren. Wo also befanden
sich
diese Räume? Wlassow schreibt immer nur von Crawinkel. Auch russische Offziere
vom
Truppenübungsplatz Ohrdruf haben im Frühjahr 1991 zu verstehen gegeben, dass sich
unter dem Muschelkalkberg viel mehr verberge, als man gemeinhin annehme. Es gab
zudem Vermutungen, die sowjetischen Truppen hätten einige Höhlen für die
Stationierung von Raketen verwendet. Ein anonymer Anrufer deutete Anfang des
Jahres
1992 an, das Hauptquartier befinde sich gar nicht im Jonastal, sondern sei im
Gelände auf
dem Truppenübungsplatz, "in Verlängerung des Biensteins", zu suchen. Solcherlei
Mitteilungen sind uns schon früher zugegangen. So hiess es auch, in
Tambach-Dietharz,
das den Decknamen "Silvia" trug, befnde sich noch heute ein unentdecktes Lager
mit
Kunstschätzen. Die Schwierigkeit bei derartigen Informationen liegt nur darin,
dass ihre
Verlässlichkeit sehr vage ist. Hätte man nur den "verlässlichsten" Informationen
zum
Verbleib des Bernsteinzimmers Glauben geschenkt, müssten inzwischen wenigstens
hundert davon entdeckt worden sein.
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